Recep Tayyip Erdoğan besucht Berlin

Bei der Begrüßung des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erkennbar darum bemüht, einen allzu freundlichen Gesichtsausdruck zu vermeiden und lag damit durchaus im Trend. Schon auf dem Rollfeld hatte Berlins Regierender Bürgermeister den Gast vom Bosporus zum Auftakt seines Staatsbesuchs nicht selbst in Empfang genommen sondern einem Ministerialdirektor den Vortritt gelassen. Auch wenn es sicher im Sinne der zahlreichen Anti-Erdogan-Demonstranten gewesen wäre: Immer nur aus dem Weg gehen konnte man sich natürlich auch nicht und so vermittelte die Visite des türkischen Staatspräsidenten mitunter auch den Anschein von Harmonie und Gleichklang. Erst im Bundeskanzleramt bei Angela Merkel nahm das "Nicht-mit-dem"-Spiel dann wieder Fahrt auf. Zur Teilnahme an seiner eigenen Pressekonferenz fand sich das Erdogan nämlich erst bereit, nachdem der akkreditierte türkische Journalist Can Dündar seinem Präsidenten zugesichert hatte, seinerseits nicht zu erscheinen. Das hieß allerdings nicht, dass alle anderen bleiben durften: "taz"-Autor Aldil Yigit hatte mit einer T-Shirt-Botschaft Pressefreiheit für die Türkei eingefordert – und musste gehen. Noch einen Kranz niedergelegt für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft - bevor am Abend im Schloss Bellevue das Staatsbankett ohne viele stattfand. Nachdem von 300 geladenen Gästen dem Vernehmen nach 200 abgesagt hatten, soll es dem Bundespräsidialamt dann doch noch gelungen sein, das Haus – pardon das Schloss – zu Ehren Erdogans voll zu bekommen.